(Prolog aus dem utopischen Reisebericht Zeit für Zeit/Illustration: Hagen)

Krieg

„Alle Kriege enden mit Verhandlungen. Warum also nicht gleich verhandeln?“ Jawaharal Nehru, Indischer Politiker (1889-1964)
„Alle Kriege enden mit Verhandlungen. Warum also nicht gleich verhandeln?“ Jawaharal Nehru, Indischer Politiker (1889-1964)

>> (...) Stellt euch vor: Um einen Krieg zu finanzieren, müssen die einzelnen Mitspieler fast ihr ganzes Leben lang arbeiten. Ein Umstand, an dem schon viele Kriege gescheitert sind. Die Mitspieler waren über den Vorbereitungen zu greisen Männern und Frauen gealtert, manche waren an ihrem Krieg schon gestorben, noch bevor sie auch nur einen einzigen Schuss abgeben konnten. Sie waren zu alt, um zu kämpfen. Ihren Kindern vererbten sie Panzer, Bomben, Waffen, Kriegsgerät – vom Lazarett bis zur Feldlatrine, alles, was sie ein Leben lang mühevoll erarbeitet hatten. Denn die Gesellschaft sieht es nicht ein, Derartiges mit ihrer Zeit zu erwirtschaften. Auch die meisten Erben dieser zahnlosen Krieger wenden sich mit Abscheu von der Eltern Lebenswerk ab und übergeben deren Nachlass dem freien Markt.

 

Auf Waffen-Neuentwicklungen hat die Weltgemeinschaft das Vorkaufsrecht. Die meisten der anderen Kriegszeuge werden früher oder später, weil unverkäuflich, recycelt. Was sich dennoch verkaufen lässt, wird von meist jungen Männern erworben, die dafür oft mit dem gesamten Erbe ihrer Eltern und Großeltern, in Form von in Horoj (= Zeitwährung) verwandelten Häusern und Sachgütern, bezahlen. Diese Leute kämpfen dann, scheinbar ihres Lebens überdrüssig, tatsächlich gegeneinander. Sie pachten sich vom Staat ein Schlachtfeld, bezahlen im Voraus für die Zeit, die sie zu kämpfen gedenken, mit Zeit. Sie errichten sich dann auf diesem Grund die Gebäude, die sie für ihren Krieg brauchen und müssen sogar den Einsatz der Weltarmee buchen.

 

Die eigentliche Aufgabe unserer Weltarmee ist, Machtkonzentrationen zu verhindern. In diesem Falle aber wacht sie darüber, dass der genehmigte Krieg nach Spielplan verläuft, will heißen, in den Grenzen des gepachteten Schlachtfeldes und nur mit den Mitspielern. Die Armee achtet darauf, dass der Krieg nicht eskaliert und keine Unschuldigen in die Scharmützel verwickelt werden. So etwas findet viel Beachtung bei der Weltbevölkerung, die einen ausgeprägten Sinn für Humor hat und dabei zusieht, wie die Heroen standhaft darum ringen, die Kämpfe in die Länge zu ziehen. Wie sich die Stulteco (= Esperanto: die Dummheit) bemüht, ihre letzten Mittel zu mobilisieren, um Munition und Nachschub zu organisieren, wie sie lieber eine Patrone kauft, statt ein Stück Brot. Nichts geht in das Kriegsgebiet hinein, was nicht auch in barer Zeit bezahlt wird. Die Menschheit schaut ungerührt dabei zu, wie sich die Stulteco selbst ausrottet, wie sie sich tötet, wie die Kämpfer lieber verhungern als aufzugeben. Wie die Sieger bei Null wieder anfangen müssen.

Hier ist auch die Grenze unserer Gesellschaft. Bei Null fängt die Humanität an. Keine Sekunde schenkt die Weltgemeinschaft dem Krieg. Ein geflügeltes Wort lautet: Stulteco muss sich selbst ernähren. Jeder kann das Spiel wählen, das er will. Die meisten Menschen bevorzugen, andere Spiele. Sie singen und tanzen, üben sich in der Kunst des Flirtens, in Sport, in Muße, im Finden einer eigenen Lebensart, kurz: sie üben sich in der geistigen, seelischen und körperlichen Entwicklung.

 

Jeder bezahlt mit seiner Lebenszeit für sein Handeln. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Jeder bestimmt selbst, was er aus sich macht. Unsere Weltgesellschaft hat einen Sprung nach vorne gemacht. Wir dulden es nicht mehr, dass sinnlose Kriege passieren, dass eine einzige Bombe abertausende Unschuldige tötet, die leben, die mit ihrer Lebenszeit noch so viele Dinge schaffen wollten.

 

Kriege kosten Zeit. Diesen Wahnsinn lassen wir nicht mehr zu. Nicht mehr auf Kosten aller und schon gar nicht auf Kosten Unschuldiger. Nur die, die es so haben wollen, bezahlen dafür. Wir haben der Dummheit ihre Schranken und damit dem größten Feind der Menschheit den Platz gezeigt, der ihm gebührt. Selbst das Entwickeln und Produzieren von Waffen haben wir denen überlassen, die es brauchen. Unsere Zeit verwenden wir darauf, die Lebensbedingungen auf unserem Planeten zu verbessern. Wir erforschen den Weltraum, wir leben mit der Erde, unsere Insel ruht auf ihrem Platz, von da aus richten wir den Blick gen Himmel auf der Suche nach einer wie auch immer gearteten höheren Ordnung. In Frieden suchen wir nach dem Sinn des Lebens. Welcher im Leben liegt, wie viele von uns sagen, kurz bevor sie das Zeitliche segnen. (...) << (Ausschnitt aus dem utopischen Reisebericht Zeit für Zeit)


After Corona

Text: Herb Buchlowski • Fotos: Rosa Licht

Das neue Zeitalter ist mit einem blutroten Mond aufgegangen. Von heute an sollten sich die neuen Menschen der Erde von den Vertretern der alten Welt immer weiter wegbewegen. Die Risse in den Gesellschaften waren schon lange deutlich zu sehen. Wer die Zeichen der Zeit erkannt hat, marschiert frohen Mutes in eine bewegte Zukunft. Die den Ruinen verbunden bleiben, sind unweigerlich dem Untergang geweiht.

 

Sie werden euch angreifen, wenn ihr fröhlich seid. Sie suchen nach einem Führer, den sie nicht finden, denn ihre Führer sind innerlich genauso marode und faulig, wie der Lebenswandel, den sie pflegen. Wer den Sturm der Wende überleben will, muss doppelt so stark sein wie ein Getreidehalm, um nicht zu brechen. Nichts sollte so bleiben wie es seit Äonen war. Dabei war das Ereignis beileibe nicht unvorhersehbar.

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Décroissance

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Kein Frieden

Solange Menschen in einer Schlange auf einen Arzt warten müssen, solange Kranke und Alte abgeschieden vor sich hinsiechen, solange Kinder vor Hunger sterben, solange Fremde isoliert leben, solange im Geheimen die Waffenschmieden glühen, solange sich Wenige an Vielen bereichern: So lang wird kein Frieden sein!